Fachkräftemigration

Fachkräfte gehen dorthin, wo sie willkommen sind - und das wird zum Problem

ON7 Redaktion
4 Min. Lesezeit
23.07.2026
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Internationale Fachkräfte verteilen sich in Deutschland höchst ungleich: In den Stadtstaaten und im Süden liegt ihr Anteil bei 16 bis 21 Prozent, in den ostdeutschen Flächenländern nur bei 6 bis 8 Prozent. Ausgerechnet die Regionen mit der schwierigsten demografischen Lage ziehen also die wenigsten Fachkräfte an. Entscheidend ist dabei nicht nur, wer kommt - sondern wer bleibt.

Ein deutliches Gefälle

Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt ein klares Muster: Internationale Fachkräfte verteilen sich in Deutschland alles andere als gleichmäßig. In den Stadtstaaten sowie in Hessen, Baden-Württemberg und Bayern machen zugewanderte Fachkräfte zwischen 16 und 21 Prozent der Bevölkerung im Kernerwerbsalter aus. In den ostdeutschen Flächenländern sind es dagegen nur zwischen 6 und 8 Prozent (Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft, IW-Kurzbericht Nr. 30, 24. April 2026, iwkoeln.de).

27,1 %
Anteil qualifizierter Zugewanderter in Berlin (2024) - gegenüber 6,9 % in Mecklenburg-Vorpommern
Quelle: IW-Kurzbericht Nr. 30, 2026

Konkret: In Berlin lag der Anteil qualifizierter Zugewanderter 2024 bei 27,1 Prozent, in Bremen bei 24,7 und in Hamburg bei 24,4 Prozent. Am unteren Ende stehen Mecklenburg-Vorpommern mit 6,9 Prozent, Sachsen-Anhalt mit 7,1 und Brandenburg mit 7,4 Prozent (Quelle: IW-Kurzbericht Nr. 30, 2026).

Das ist zunächst wenig überraschend: Zuwanderer gehen dorthin, wo es Arbeitsplätze, Netzwerke und bestehende Communities gibt. Doch genau daraus entsteht ein Problem.

Stadtstaaten & Süden
  • 16 bis 21 Prozent zugewanderte Fachkräfte im Kernerwerbsalter
  • Spitzenwerte: Berlin 27,1 %, Bremen 24,7 %, Hamburg 24,4 % (2024)
  • Bestehende Arbeitsplätze, Netzwerke und Communities ziehen weiter an
Ostdeutsche Flächenländer
  • Nur 6 bis 8 Prozent zugewanderte Fachkräfte im Kernerwerbsalter
  • Untere Werte: Mecklenburg-Vorpommern 6,9 %, Sachsen-Anhalt 7,1 %, Brandenburg 7,4 %
  • Ältere Bevölkerung, mehr Arbeitsmarktaustritte - und der größte Bedarf

Wo Fachkräfte am dringendsten gebraucht werden, kommen die wenigsten an

Der Fachkräftemangel ist in den ostdeutschen Flächenländern besonders groß - gerade weil die Bevölkerung dort im Schnitt älter ist als im Westen und deshalb noch mehr Menschen den Arbeitsmarkt verlassen (Quelle: IW-Kurzbericht Nr. 30, 2026). Genau die Regionen mit der ungünstigsten demografischen Ausgangslage ziehen also die wenigsten internationalen Fachkräfte an.

IW-Autor Dr. Wido Geis-Thöne bringt es auf den Punkt: Gerade die ostdeutschen Flächenländer, wo bislang wenige zugewanderte Personen leben, müssten vor dem Hintergrund ihrer demografischen Lage in den nächsten Jahren verstärkt darauf hinarbeiten, Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen. (Quelle: IW-Kurzbericht Nr. 30, 2026)

Das Risiko ist eine sich verschärfende Schieflage: Während gut aufgestellte Regionen im Westen und in den Metropolen weiter Fachkräfte anziehen, drohen strukturschwächere und ländliche Regionen weiter abgehängt zu werden. Für das Land als Ganzes ist das keine gute Nachricht - denn Versorgung, Pflege und Wirtschaft werden überall gebraucht, nicht nur in den Ballungszentren.

Der entscheidende Faktor: Bleiben ist wichtiger als Ankommen

Der vielleicht wichtigste Punkt der Studie wird in der Debatte oft übersehen: Es reicht nicht, Fachkräfte einmalig zu gewinnen. Entscheidend ist, ob sie bleiben.

Eine stärkere Zuwanderung von Fachkräften nützt wenig, wenn diese nach kurzer Zeit das Land wieder verlassen.

- IW-Kurzbericht Nr. 30, 2026

Die IW-Studie formuliert es klar: Eine stärkere Zuwanderung von Fachkräften nütze wenig, wenn diese nach kurzer Zeit das Land wieder verlassen. Und ob sie bleiben, hänge maßgeblich davon ab, wie attraktiv das Arbeits- und Lebensumfeld ist - was „zu bedeutenden Teilen eine Frage der Willkommenskultur und Weltoffenheit der Bevölkerung“ sei. Gerade dort, wo bisher wenige ausländische Fachkräfte leben, sei das besonders wichtig (Quelle: IW-Kurzbericht Nr. 30, 2026).

Damit ist der Kern benannt. Fachkräftegewinnung ist nicht nur eine Frage von Visa, Gehältern und offenen Stellen. Sie ist auch eine Frage davon, ob sich Menschen an einem Ort sicher, akzeptiert und zugehörig fühlen. Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser, betont, dass Ostdeutschland auf Zuwanderung angewiesen sei - und dass das Handeln populistischer Parteien, die Vorbehalte gegen Zugewanderte schüren, eine Gefahr darstelle (Quelle: Funke Mediengruppe, zitiert nach dpa, April 2026).

Was das für Arbeitgeber bedeutet

Für Unternehmen - gerade in Regionen mit bisher wenig Zuwanderung - ergibt sich daraus eine klare Verantwortung. Fachkräfte zu gewinnen ist nur der erste Schritt. Der zweite, mindestens ebenso wichtige, ist, dafür zu sorgen, dass sie sich vor Ort wohlfühlen und bleiben wollen.

Das bedeutet praktische Unterstützung bei Wohnungssuche und Behördengängen, echte Integration ins Team, Sprachförderung und ein Umfeld, in dem sich internationale Mitarbeitende willkommen fühlen. Denn eine Fachkraft, die nach wenigen Monaten wieder geht, löst kein einziges Problem - sie verursacht nur neue Kosten.

Was Unternehmen jetzt tun sollten
  • Unterstützung bei Wohnungssuche und Behördengängen fest einplanen
  • Echte Integration ins Team organisieren, nicht dem Zufall überlassen
  • Sprachförderung über den Arbeitsstart hinaus fortführen
  • Ein Umfeld schaffen, in dem sich internationale Mitarbeitende willkommen fühlen
  • Bindung von Anfang an mitdenken - Gewinnung allein löst kein Problem

Was bedeutet das für Unternehmen?

Gerade in Regionen mit bisher wenig Zuwanderung entscheidet nicht das Recruiting-Budget über den Erfolg, sondern die Begleitung nach der Ankunft. Wer Wohnen, Behörden, Sprache und Teamintegration als Teil des Prozesses versteht, senkt das Risiko früher Abwanderung - und damit die Kosten, die eine nach wenigen Monaten wieder abgereiste Fachkraft hinterlässt.

Internationale Fachkräfte planbar rekrutieren

Hier setzen wir an

Die IW-Studie macht deutlich, dass erfolgreiche Fachkräftemigration weit über die reine Vermittlung hinausgeht. Sie beginnt bei der Vorbereitung im Herkunftsland und endet erst bei einer echten, langfristigen Integration vor Ort.

Genau hier setzen wir mit ON7 an: mit einem digitalen Ökosystem, das internationale Fachkräfte nicht nur schnell und transparent nach Deutschland bringt, sondern sie über den gesamten Prozess begleitet - von der sprachlichen und fachlichen Vorbereitung über Visa und Anerkennung bis zum Onboarding. Je besser dieser Prozess funktioniert, desto größer die Chance, dass Fachkräfte nicht nur kommen, sondern auch bleiben.

Denn am Ende entscheidet sich die Zukunft ganzer Regionen an einer einzigen Frage: Gelingt es uns, Menschen nicht nur zu gewinnen, sondern ihnen einen Ort zu geben, an dem sie bleiben wollen?

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