Gefährlicher Trend: Wenn der Fachkräftemangel in der Logistik zum Sicherheitsrisiko wird
Eine Branche am Limit - und das Risiko steigt
Die Logistik ist eine der entscheidendsten Branchen für Deutschland: Sie hält Regale gefüllt, Produktionen am Laufen und Lieferketten stabil. Doch seit Jahren fehlt Personal an allen Ecken - Fahrer, Lagerfachkräfte, Disponentinnen. Der Mangel ist inzwischen so groß, dass er nicht nur wirtschaftlich schadet, sondern auch sicherheitspolitisch relevant wird. Rund 80.000 Lkw-Fahrer fehlen aktuell, und jedes Jahr gehen etwa 30.000 in Rente, während nur rund 15.000 nachkommen (Quelle: BAG, 2024). Diese Lücke führt zu Überstunden, Stress und Überlastung - eine gefährliche Kombination in einer Branche, in der Sicherheit von Präzision und Ruhe abhängt.
Übermüdete Fahrer - Gefahr auf der Autobahn
Wer im Güterverkehr arbeitet, trägt enorme Verantwortung. Doch viele Fahrer sind heute so belastet, dass ihre Reaktionsfähigkeit leidet. Nach Angaben der Europäischen Verkehrssicherheitsagentur spielt Müdigkeit bei bis zu 20 Prozent aller schweren Lkw-Unfälle eine Rolle (Quelle: ETSC, 2023). Wenn Schichten verlängert, Touren verdichtet oder Ruhezeiten ausgereizt werden, steigt das Risiko:
- langsame Reaktionen
- Unachtsamkeit bei Spurwechseln
- mangelndes Einschätzen von Abständen
- Sekundenschlaf
Damit wird der Fachkräftemangel zu einem Faktor, der nicht nur Lieferzeiten beeinflusst, sondern Menschenleben gefährdet.
Überlastete Lagerteams - Fehler durch Druck
Auch jenseits der Autobahn steigen die Risiken. In Lagerhallen fehlt Personal in Schichten, Abläufen und Kommissionierung. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung zeigt: Die meldepflichtigen Arbeitsunfälle im Handel und der Warenlogistik stiegen 2022 um 2,72 Prozent gegenüber dem Vorjahr (Quelle: DGUV, 2023). Besonders betroffen sind:
- Unfälle mit Flurförderzeugen
- Stürze und Stolpern
- Verletzungen durch Zeitdruck
- Schäden durch falsche Ladungssicherung
Die Vision Zero Initiative dokumentiert zudem, dass im Bereich Ware und Logistik 42 Prozent der tödlichen Unfälle durch Verkehr und 45 Prozent der schweren Unfälle durch Stürze verursacht werden (Quelle: Vision Zero Global, 2024). Der Zusammenhang ist klar: Wenn Teams unterbesetzt sind, sinken Konzentration, Kommunikation und Sorgfalt - und das Risiko steigt.
Zunehmende Unfallzahlen - ein europaweiter Trend
Nicht nur in Deutschland nimmt die Belastung zu. Eine Auswertung zeigt, dass schwere Arbeitsunfälle im europäischen Logistiksektor im ersten Halbjahr 2024 um 2,95 Prozent gestiegen sind (Quelle: Ludus Global, 2024). Die Branche steht also europaweit unter Druck - mit direkten Folgen für Sicherheit, Gesundheit und Lieferkettensicherheit.
Qualifikationslücken verschärfen die Lage
Es fehlt nicht nur an Personal, sondern auch an qualifiziertem Personal. Viele Unternehmen müssen Mitarbeitende im Schnellverfahren einlernen, weil ihnen Zeit und Ressourcen fehlen. Doch moderne Logistik nutzt automatisierte Lagersysteme, sensorgestützte Technik und digitale Kommissionierung - alles Prozesse, die mehr als eine kurze Einweisung erfordern. Laut einer Umfrage des Verbands der Automobilindustrie berichten 46 Prozent der Logistikabteilungen von zunehmenden Störungen durch fehlende Qualifikation neuer Mitarbeitender (Quelle: VDA, 2024). Überlastung trifft also auf unzureichende Vorbereitung - ein Sicherheitsrisiko in Reinform.
Internationale Fachkräfte - Entlastung, nicht Ersatz
Viele Unternehmen erkennen inzwischen, dass die Sicherheitsprobleme nur gelöst werden können, wenn die Belastung sinkt. Und genau hier kommen internationale Fachkräfte ins Spiel. Sie sind kein Ersatz für bestehende Mitarbeitende - sie sind die Voraussetzung dafür, dass Regeln eingehalten werden können:
- Ruhezeiten
- Doppelbesetzungen
- ordnungsgemäße Ladungssicherung
- sichere Bedienung von Maschinen
- Einhaltung von Arbeitszeitgesetzen
Erst ausreichend Personal ermöglicht Sicherheit. Ohne genügend Fahrer und Lagerkräfte bleibt jeder Arbeitsschutzplan Theorie.
Warum Migration nicht nur wirtschaftlich nötig ist, sondern sicherheitsrelevant
Migration wird häufig als ökonomisches Thema diskutiert - dabei ist es längst ein sicherheitsrelevantes. Denn zu wenig Personal führt zu:
- steigenden Unfallzahlen
- höherem Risiko für tödliche Verkehrsunfälle
- längeren Ausfallzeiten
- instabilen Lieferketten
- höherer körperlicher Belastung für Mitarbeitende
Wenn wir die Logistik sicher halten wollen, brauchen wir nicht nur Prozesse, Technik oder Zeitdruckmanagement - wir brauchen Menschen. Migration ist daher nicht nur notwendig, um Lieferketten zu stabilisieren. Sie ist notwendig, um Sicherheit auf Straßen, in Lagern und in Unternehmen zu gewährleisten.
Die Logistik braucht Entlastung, sonst wird sie gefährlich
Die Daten sind eindeutig: Der Fachkräftemangel erhöht das Risiko von Unfällen im Verkehr und in Lagern. Die Branche fährt am Limit - und oft darüber hinaus. Deutschland muss die Logistik nicht nur digitalisieren oder modernisieren. Es muss sie personell stabilisieren. Internationale Fachkräfte sind dafür unverzichtbar. Nicht als Notlösung, sondern als struktureller Bestandteil eines sicheren, leistungsfähigen Logistiksystems. Denn am Ende gilt: Wo Menschen fehlen, wächst das Risiko. Wo Teams entlastet werden, steigt die Sicherheit - für Unternehmen, Mitarbeitende und alle, die auf deutschen Straßen unterwegs sind.
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