Wohnraum, Wartelisten, Wirklichkeit - wie Städte und Gemeinden an ihre Grenzen stoßen
Die unsichtbare Barriere der Integration
Deutschland braucht internationale Fachkräfte - dringend. Doch was passiert, wenn sie endlich einreisen dürfen, der Arbeitsvertrag unterschrieben ist, der Arbeitgeber wartet … und es keine Wohnung gibt? Viele Kommunen stehen heute genau vor diesem Problem. Während Visa-Regelungen modernisiert und Fachkräfteeinwanderung erleichtert werden sollen, bleibt der Wohnraummangel die stille, aber zentrale Blockade. Laut Institut der deutschen Wirtschaft fehlen derzeit rund 700.000 Wohnungen in Deutschland (Quelle: IW Köln, 2024). Besonders betroffen: Ballungszentren, Universitätsstädte und boomende Regionen.
Fachkräfte landen auf Wartelisten
Wohnungsämter berichten zunehmend, dass internationale Fachkräfte auf denselben Wartelisten stehen wie sozial benachteiligte Haushalte oder Geflüchtete (Quelle: Deutscher Städtetag, 2024). Das führt zu Verzögerungen, Missverständnissen und sozialem Druck - und zeigt, wie schlecht Deutschland darauf vorbereitet ist, Menschen aufzunehmen, die es dringend braucht. In manchen Städten warten Fachkräfte drei bis sechs Monate, bevor sie eine Wohnung finden. Arbeitgeber versuchen, Übergangslösungen zu schaffen: Hotels, möblierte Zimmer, Sammelunterkünfte. Doch das ist teuer, unflexibel und für Familien unzumutbar. Eine Münchner Pflegeeinrichtung berichtete, dass sie elf international rekrutierte Pflegekräfte nicht einstellen konnte, weil es keine bezahlbaren Wohnungen gab (Quelle: Süddeutsche Zeitung, 2024). Das Problem liegt nicht am Willen - sondern an der Struktur.
Die Stadt-Land-Schere wird größer
Es trifft nicht alle Regionen gleich. Deutschland entwickelt sich zunehmend zweigeteilt:
Metropolen
- extrem hohe Mieten
- knapper Wohnraum
- lange Wartelisten
- hohe Konkurrenz
- Familien kaum Chancen
Ländliche Regionen
- Leerstand
- geringere Mieten
- aber geringe Sichtbarkeit für Fachkräfte
- schwächere Infrastruktur
Dabei hätten gerade ländliche Regionen das Potenzial, internationale Fachkräfte langfristig zu binden - wenn Integration dort strukturiert begleitet wird. Wohnraum ist hier selten das Problem. Aber es fehlt an Ankommen, Orientierung, Bildung für Kinder und sozialer Begleitung.
Arbeitgeber geraten zwischen die Fronten
Unternehmen in Pflege, Logistik, Gastronomie oder Handwerk berichten zunehmend, dass Wohnraum zum entscheidenden Faktor im Recruiting wird. In einer DIHK-Umfrage geben 64 Prozent der Unternehmen an, dass fehlender Wohnraum ein Hindernis bei der Rekrutierung internationaler Fachkräfte ist (Quelle: DIHK, 2024). Einige Betriebe kaufen Wohnungen oder bauen Personalunterkünfte. Andere schließen mit Kommunen Vereinbarungen über Kontingente in Wohnheimen.
Doch viele Unternehmen sind überfordert:
- Wohnraum ist nicht ihre Kernkompetenz
- Genehmigungen dauern zu lang
- Neubau ist teuer
- Kommunen sind selbst am Limit
So entsteht ein Teufelskreis: Keine Wohnungen - keine Fachkräfte - keine Entlastung - kein Wachstum.
Was passieren müsste
Es bräuchte koordinierte Strategien - keine Einzelmaßnahmen.
- Bündnisse zwischen Kommunen, Arbeitgebern und Bund: Arbeitgeber können Wohnungen bereitstellen oder mitfinanzieren, Kommunen liefern Genehmigungen und Infrastruktur, der Bund schafft Förderprogramme.
- Beschleunigte Genehmigungen für Mitarbeiterwohnen: Viele Projekte scheitern an Jahren von Bauanträgen. Für „Fachkräftewohnen“ bräuchte es beschleunigte Verfahren analog zum Schul- und Kitabau.
- Zwischenlösungen für die ersten 6 Monate: Modulare Unterkünfte, Containerlösungen, Boardinghouses - nicht als Dauerlösung, sondern als Übergang.
- Regionale Steuerung: Fachkräfte sollten nicht automatisch in Metropolen landen. Digitale Matching-Plattformen könnten Wohnraum und regionale Bedarfe verknüpfen.
Wie ON7 in dieser Realität unterstützen kann
Wir lösen das Wohnungsproblem nicht - aber wir können durch transparente, standardisierte Migration dafür sorgen, dass Fachkräfte nicht ungeplant, sondern planbar ankommen. Unternehmen wissen frühzeitig, wann Menschen eintreffen, und können Wohnlösungen rechtzeitig organisieren. Dadurch wird Wohnraum nicht plötzlich mehr - aber planbarer. Und genau das brauchen Kommunen und Unternehmen, um überhaupt Lösungen zu bauen.
Wohnraum entscheidet über Fachkräfte
Deutschland wird in den kommenden Jahren Hunderttausende Fachkräfte brauchen. Doch ohne Wohnraum bleibt jede Reform halb wirksam. Es braucht ein neues Verständnis: Migration ist keine Aufgabe der Ausländerbehörden - sie ist eine Aufgabe von Städten, Gemeinden, Unternehmen und Bund gemeinsam.
Wohnraum ist Integrationspolitik. Und ohne ihn werden Fachkräfte kommen wollen - aber nicht bleiben können.
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