Ohne internationale Fachkräfte schrumpft die Beschäftigung: Was Ostdeutschland schon heute zeigt
Ohne Zuwanderung läge die Beschäftigung in den ostdeutschen Flächenländern um rund 191.000 qualifizierte Arbeitskräfte niedriger. Der Osten ist demografisch nur einige Jahre weiter als der Rest der Republik - und die Zuwanderung, die ihn stützt, lässt gerade deutlich nach.
Eine Rechnung, die den Osten anders aussehen lässt
Am 4. September 2026 hat das Institut der deutschen Wirtschaft eine Auswertung zur Beschäftigung in den ostdeutschen Flächenländern vorgelegt. Der zentrale Satz darin ist eine Gegenrechnung. Ohne Zuwanderung aus EU- und Drittstaaten läge die Beschäftigung im gesamten Betrachtungszeitraum um rund 191.000 qualifizierte Arbeitskräfte niedriger, das entspricht 5,3 Prozent (Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft, 2026).
Das ist kein regionaler Sonderfall. Ostdeutschland ist demografisch nur einige Jahre weiter als der Rest der Republik. Was dort heute sichtbar wird, beschreibt eine Entwicklung, die westdeutsche Regionen in den kommenden Jahren ebenfalls erreichen wird. Der Osten ist in dieser Frage weniger Ausnahme als Vorlauf.
Ein Ost-West-Thema, das in Wahrheit ein Demografie-Thema ist
Beschäftigungszahlen aus Ostdeutschland werden meist als Strukturthema gelesen, als Frage von Löhnen, Ansiedlungen und Abwanderung. Das sind sie auch. Aber sie sind vor allem eine Frage der Altersstruktur. Wo mehr Menschen in den Ruhestand gehen als in den Arbeitsmarkt nachrücken, sinkt die Beschäftigung selbst dann, wenn die Wirtschaft stabil bleibt.
Genau dieses Muster zeigen die Zahlen. Zwischen den Jahresdurchschnitten 2019/2020 und 2024/2025 sank die Zahl der qualifizierten Beschäftigten im Osten um 1,1 Prozent. Im Westen stieg sie im gleichen Zeitraum um 3,9 Prozent (Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft, 2026). Der Unterschied liegt nicht an der Konjunktur, die beide Landesteile gleichermaßen trifft. Er liegt daran, wer nachkommt.
- Qualifizierte Beschäftigte: minus 1,1 Prozent
- Qualifizierte Beschäftigte: plus 3,9 Prozent
Wo die Lücke am schnellsten sichtbar wird
Am deutlichsten zeigt sich das in den Engpassberufen. Rund 160.000 internationale Fachkräfte arbeiten in den ostdeutschen Flächenländern in Tätigkeiten, die schon heute schwer zu besetzen sind. Dazu zählen Berufskraftfahrer, Ärztinnen und Ärzte, Pflegefachkräfte, Kraftfahrzeugtechnik sowie Küche und Gastronomieservice.
Das sind keine Randbereiche. Es sind die Berufe, an denen Versorgung, Logistik und Alltag hängen. Fällt hier Personal weg, merken das nicht zuerst die Unternehmen, sondern die Menschen in der Region: längere Wartezeiten, ausgedünnte Fahrpläne, geschlossene Betriebe. Der Fachkräftemangel wird an dieser Stelle von einer betriebswirtschaftlichen zu einer Frage der Daseinsvorsorge.
Die Stütze wird dünner, nicht stärker
Hier liegt der unbequeme Teil des Befunds. Die stabilisierende Wirkung, die das IW beschreibt, beruht auf einer Zuwanderung, die gerade deutlich nachlässt. Im Jahr 2025 zogen rund 235.000 Personen mehr nach Deutschland zu als fort. Gegenüber 2024 ist das ein Rückgang um 45 Prozent. Der Wanderungssaldo mit den EU-Staaten lag bei minus 54.000 Personen (Quelle: Statistisches Bundesamt, 2026).
Dazu kommt eine methodische Einschränkung, die man mitlesen sollte. Die Zahl von 191.000 ist eine Modellrechnung, kein gemessener Wert. Sie beschreibt, wie die Beschäftigung ohne Zuwanderung ausgesehen hätte, und beruht auf Annahmen darüber, wie sich der Arbeitsmarkt sonst entwickelt hätte. Die Richtung des Befunds ist robust, die exakte Zahl ist es nicht. Zugleich gilt: Auch eine vorsichtigere Schätzung würde den Grundbefund nicht umkehren.
Internationale Fachkräfte planbar rekrutieren
Was ON7 dazu beitragen kann
ON7 ist eine digitale Plattform, die internationale Fachkräftegewinnung von Anfang bis Ende an einem Ort bündelt. Sprachliche Vorbereitung im Herkunftsland, Dokumentenmanagement, Visa-Prozesse, Anerkennung und Onboarding laufen über einen zusammenhängenden Ablauf statt über viele voneinander getrennte Stellen.
Für Arbeitgeber in schrumpfenden Regionen ist das kein Komfortthema. Wer in einer Kleinstadt in Sachsen-Anhalt eine Stelle besetzen will, konkurriert nicht nur mit dem Nachbarlandkreis, sondern mit Arbeitgebern in anderen Ländern. Entscheidend wird dann, wie planbar und wie schnell der Weg ins Unternehmen ist. Dass die Bundesagentur für Arbeit bis Ende 2025 rund 360.000 digitale Beratungen durchgeführt hat, zeigt, wie groß der Orientierungsbedarf auf beiden Seiten ist (Quelle: Bundesagentur für Arbeit, 2026).
Eine Plattform ersetzt keine Ausbildung und keine besseren Arbeitsbedingungen. Sie sorgt nur dafür, dass an der Organisation nichts scheitert, was organisierbar ist.
Der Osten rechnet vor, was dem Rest bevorsteht
Die Auswertung aus Ostdeutschland ist keine Regionalmeldung. Sie ist eine Vorschau. Die Alterung der Erwerbsbevölkerung trifft in den kommenden Jahren auch Regionen, die sich bisher auf Zuzug aus dem Inland verlassen konnten. Der Unterschied ist nur, wann es so weit ist.
Für Arbeitgeber folgt daraus keine Panik, sondern eine Reihenfolge. Ausbildung, Weiterbildung und bessere Arbeitsbedingungen bleiben der erste Hebel. Internationale Fachkräfte sind der Baustein daneben, nicht der Ersatz dafür. Und dieser Baustein wird gerade knapper, während der Bedarf wächst.
Internationale Fachkräfte haben den Rückgang nicht aufgehalten - sie haben ihn gebremst.
Was bedeutet das für Unternehmen?
Ausbildung, Weiterbildung und bessere Arbeitsbedingungen bleiben der erste Hebel. Internationale Fachkräfte sind der Baustein daneben - und wer ihn nutzen will, konkurriert mit Arbeitgebern in anderen Ländern.
Entscheidend wird, wie planbar und wie schnell der Weg ins Unternehmen ist. Wer die Prozesse von Sprachvorbereitung bis Onboarding früh aufsetzt, ist nicht darauf angewiesen, dass die Zuwanderung von selbst zurückkehrt.